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Canyoning, aber Sicher! Nur mit wem?

Canyoning Abseilen unsicherEin kurzer Blogbeitrag der mir sehr am Herzen liegt. Ich habe mich selber immer gern als Canyoning-Profi bezeichnet, auch in den frühen Jahren meiner Arbeit. Das mag für den einen oder anderen anmaßend gewesen sein – war  im Grunde genommen aber immer die richtige und gesunde Selbsteinschätzung, da ich mich der Arbeit mit Haut und Haaren verschrieben hatte.  Keine Kompromisse beim Thema Sicherheit, eine ständige Lernbereitschaft und trotz Respekt vor der Erfahrung älterer Kollegen, immer eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, um nicht alles einfach nur zu übernehmen, sondern nach reiflicher Prüfung anzuwenden oder eben zu lassen.

Mir ist klar, dass ich durch die Art und Weise, wie ich das Canyoning in den letzten Jahren gelebt habe, für einige erst mal zum Feindbild wurde und für andere zum Vorbild – das nicht nur im positiven Sinn, sondern einfach nur als Kopiervorlage und zur unreflektierten Übernahme, des beim Canyoning Team erlebten. Damit spreche ich die Leute an, die sich in Praktika oder kurzfristigen Arbeitseinsätzen Erfahrung holen sollten, sich aber eine noch dickere Hose geholt haben und mit Ihrer Arbeit beim Canyoning Team dann Ihren Lebenslauf aufpolieren.

Ebenso diejenigen, die auf Ihren Touren dann Dinge einsetzen, die sie möglicherweise im Vorbeigehen gesehen haben aber nicht beherrschen und auch den Ursprung  und Sinn der Technik nicht einordnen können. Eine Fehlanwendung ist dabei eine logische Konsequenz.

Der Ärger, der auch in meinen Worten mitschwingt, hat nichts mit gekränkter Eitelkeit zu tun. Es ist eher zum Teil eine Verzweiflung darüber, dass in der Vergangenheit geschehene Unglücke nicht bei allen die notwendigen Konsequenzen ausgelöst haben:

http://home.arcor.de/zoltangradwohl/

Eine junge Mutter musste sterben, weil neben vielen anderen Dingen ein Knoten gelernt wurde, der in unserem Arbeitsbereich so nichts zu suchen hat.

Es drängen immer mehr Veranstalter von Canyonigtouren auf den Markt, absolvieren im Schnellverfahren eine Ausbildung und gehen dann mit einfach viel zu wenig Erfahrung mit Menschen auf Tour und probieren sich dort aus. Auf jeder der Internetseiten stehen „Ihre Spezialisten“  oder „die Profis“ für Canyoning.

Liebe Leute – Spezialisten sind Menschen, die etwas besonders gut können, weil sie es besonders gut und möglicherweise auch schon lange machen. Das ist auch oft mit der Zeit und dem Training verbunden, dass man in solche Fähigkeiten investiert. Wenn auf Eurer Internetseite noch alle weiteren Aktivitäten aus dem Outdoorsport stehen und ihr dafür auch Spezialisten seid – na dann Respekt: dann seid Ihr die modernen Leonardo da Vincis, die Tausendsassas unter den heutigen Menschen, die mit dieser marktschreierischen Angeberei die echten Spezialisten und Profis vor den Kopf stoßen und zum anderen einfach auch die Menschen täuschen, die sich in Eure Hände begeben wollen. Nennt Euch Agentur für Outdoorsport, das ist ehrlicher.

Es ist mir ein Gräuel, wenn ich bei meinen Touren immer wieder sehen muss, welche Fehler da gemacht werden. Sei es beim Abseilen, beim Nachsichern, bei den Sprüngen – oft wird nur um des Spektakels Willen alles gemacht, was auch nur irgendwie möglich ist. Ob es sicher ist oder über die Konsequenzen bei einem Fehltritt – da macht man sich keine Gedanken.

Ich werde die Möglichkeiten hier nutzen um die allgemeinen Ideen zur Sicherheit, die sich in den letzten Jahren entwickelt und bei vielen auch etabliert haben, in den kommenden Monaten einfach darzustellen.  Es wird kein Lehrbuch für „Greenhorn-Canyoninsten“ sondern  einfach eine öffentliche Präsentationsmöglichkeit des alltäglichen Wahnsinns – die Diskussion in irgendwelchen geheimen Gruppen ist mir hier leider zu wenig, um ein Bewusstsein zu erzeugen, dass dieser schöne Sport verdient hat.

Viele sagen, der Markt der Canyoninganbieter wird sich schon selber bereinigen. Die mir innewohnende Ungeduld möchte aber nicht so lange warten, bis eine erneutes Unglück passiert, sondern auch den letzten Heuler einmal zu nachdenken anregen, ob er mit seiner „Berufswahl“ oder „Wahl der vorübergehenden Tätigkeit in seiner aktuellen Lebensphase“ die richtige Entscheidung für sich und vor allem für die canyoning-interessierten Menschen getroffen hat.

Jeder der an Sicherheit im Canyonigsport interessiert ist und nicht nur am Geldverdienen – macht Euch einen Kopf und haltet diesen sauber!

Euer Jonny

DCIM101GOPRO

Hier noch ein aktuelles Beispiel aus dem Mai 2015, wie fahrlässig zum Teil mit Menschenleben umgegangen wird.

Das Seil ist hier mit minimaler Reibung in das Sicherungsgerät eingelegt, das auch noch falsch bedient wird. Ein kleiner Fehler und der Mann schlägt einige Meter tiefer auf hartem Gestein auf.

Abseilen ohne Hintersicherung und einen komplett falschen Handhaltung der gewählten Sicherungsmethode!

DCIM101GOPRODer Guide schaut von oben zu und glaubt das alles gut gehen wird.
Das ist es zum Glück auch.

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